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Zwischen den Jahren ... Zeit für einen Rückblick

Jazzinstitut Darmstadt

Wir stellen immer wieder fest, dass die Aktivitäten des Jazzinstituts Darmstadt so weit gestreut und so vielfältig sind, dass selbst viele der Menschen, die regelmäßig mit uns in Kontakt kommen, keine Ahnung davon haben, was wir sonst noch so machen. Daher ist es vielleicht wenigstens einmal im Jahr angebracht, einen Jahresrückblick zu geben und die ganz unterschiedlichen Seiten unserer Arbeit zu beleuchten - und uns damit sozusagen vom Ballast des letzten Jahres zu befreien, damit wir das nächsten Jahr mit neuem Elan angehen können. - Und wann tut man das besser als zwischen den Jahren?!!!

Konzerte: Viele der Leser gehören zu den Konzertbesuchern des Jazzinstituts. Sie konnten im vergangenen Jahr ein buntes Programm erleben, zum Beispiel in unserer eigenen JazzTalk-Reihe: den groove von Norbert Steins Pata Masters, lyrische Momente mit Michael Naura (dem in Darmstadt Jürgen Wuchner zur Seite stand), das swingende Mainstream-Quartett des in New York lebenden Flensburger Bassisten Martin Wind (mit Bill Mays am Klavier), das Quartett der beiden Saxophonisten Friedhelm Schönfeld und Ekkehard Jost (und jede Menge Geschichten über den Jazz in der DDR), die Trios der Pianisten Henning Wolter und Georg Graewe, das Familienquartett von Carolyn und Hermann Breuer, und zum Jahresausklang ein fulminantes Solokonzert des "American in Berlin" Walter Norris. Es war viel zu hören, und während der Gesprächsteile der Konzerte wurde aus Geschichte und Gegenwart berichtet, von Charlie Parker und Art Tatum bis zum Überleben auf der heutigen europäischen Jazzszene. Zwei Sonderkonzerte des Jazzinstituts präsentierten die Saxophonistin Kathrin Lemke mit ihrer Band und das legendäre Free-Jazz-Trio Evan Parker / Barry Guy / Paul Lytton. Daneben sorgte auch der Förderverein Jazz für etliche Höhepunkte in unserem Gewölbekeller, unter denen vielleicht die Konzerte von Christopher Dells D.R.A. und vom Gilbert Paeffgen Trio sowie jene der Band Die Konferenz und des Undertone Project besonders hervorzuheben sind. Der Förderverein Jazz aber präsentierte auch viele Musiker der lokalen und regionalen Szene, zum Beispiel Uli Partheils neues Literaturprojekt (mit Rüdiger Gieselmann), Christoph Schöpsdau, das Ornette-Coleman-Programm des Frauke Kühner Quartetts und andere.

Kooperationen: 2004 war für das Jazzinstitut Darmstadt ein Jahr der Kooperationen. Der Förderverein Jazz e.V. steht auch hier an erster Stelle - ohne den aktiven Darmstädter Verein wären viele unsere Konzartaktivitäten kaum möglich. (Müssen wir an dieser Stelle noch einmal Werbung laufen? Macht mit, es ist spannend und der Förderverein fördert zwar auch uns durch seine Arbeit, ist aber tatsächlich ein völlig eigenständiger Verein, dessen musikalisches Programm von uns unabhängig und komplett aus der Initiative seiner Mitglieder heraus gestaltet wird). Ein Dankeschön an dieser Stelle! Zusammen mit Dirk Neureuther präsentierten wir im März die junge Berliner Band Olaf Ton. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Neue Musik und Musikerziehung brachten wir während deren Frühjahrstagung ein Nachtkonzert mit dem Stimmakrobaten Jaap Blonk, ein weiteres mit dem Gitarristen Thomas Maos und dem Diaprojektorbediener ("visual artist" nennt man das auf Neudeutsch) Jörg Kalinich. Neben den Jazz Conceptions, die wir nun schon seit 14 Jahren zusammen mit Jürgen Wuchner und dem Kulturzentrum Bessunger Knabenschule ausrichten, realisierten wir in diesem Jahr außerdem ein Workshop- und Konzertprojekt mit dem Internationalen Musikinstitut Darmstadt. "Darmstadt - Warszawa. Shared Spaces. Ein deutsch-polnisches Projekt zwischen Neuer Musik, Jazz, Improvisation und Literatur" hieß das Projekt, an dem außerdem das Deutsche Polen-Institut und das Musikfestival "Warschauer Herbst" beteiligt waren (wo es nach der Darmstädter Premiere ebenfalls aufgeführt wurde). Mit dem Polen-Institut brachten wir schließlich den polnischen Klaviervirtuosen Leszek Mozdzer in den Gewölbekeller des Jazzinstituts.

Ausstellungen: 2004 war schließlich auch das Jahr der Ausstellungen für uns. "Jazz Changes", unsere Ausstellung zur Jazzgeschichte, reiste nach Offenbach und Braunschweig. Im Juni und Juli zeigten wir im Weißen Turm eine Woche lang die Ausstellung "hot circle darmstadt - oder wie der Jazz an den Woog kam" über die Aktivitäten jenes legendären Darmstädter Clubs begeisterter Jazzanhänger, der die Stadt in den 50er und 60er Jahren zum Swingen brachte. Kooperationspartner waren dabei: die ehemaligen Mitglieder eben dieses hcd, der Freundeskreis Weißer Turm e.V., aber auch die Goldene Krone, die Anfang der 50er Jahre, als sie noch Amerikahaus war, als Versammlungsort des hcd gedient hatte und aus Anlass der Ausstellung im Juli ihre Türen den Veteranen des Vereins zu einem Konzert der (eigentlich gar nicht mehr bestehenden) Long Louis Jazz Babies und zu einem JazzTalk mit Ehemaligen öffnete, darunter dem bekannten Jazzredakteur Werner Wunderlich. Eine weitere Ausstellung läuft noch bis zum 16. Januar 2005 in Frankfurt: "Der Frankfurt Sound. Eine Stadt und ihre Jazzgeschichte(n)" hieß nicht nur ein Buch, das wir mit-initiiert und mitherausgegeben haben (und das bei der Buchmesse zum "Hessenbuch des Jahres" gekürt wurde), sondern auch eine vielbeachtete und lohnenswerte Ausstellung im Frankfurter Karmeliterkloster. Der Musikwissenschaftler und Gitarrist Jürgen Schwab hatte für Buch und Ausstellung die Archive des Jazzinstituts durchforstet; zusammen mit der Stadt Frankfurt und dem Hessischen Rundfunk konnten wir der Idee die Ausführung folgen lassen und sind ziemlich stolz auf die Ergebnisse. Beide Projekte, das Frankfurter wie das Darmstädter, haben uns viele der Dokumente aufarbeiten lassen, die sich mit heimischer wie deutscher Nachkriegsgeschichte befassen.

Bücher: Weitere Buchprojekte, die 2004 zum Abschluss kamen, waren die neueste Ausgabe unseres "Wegweisers Jazz" - das wichtigste Kompendium zur deutschen Jazzszene, in dem sich neben Tausenden Adressen auch jede Menge sonstiger Informationen zum Jazz in Deutschland finden -, sowie der achte Band unserer Buchreihe "Darmstädter Beiträge zur Jazzforschung" mit dem Titel "improvisieren...", in dem die Beiträge des gleichnamigen Darmstädter Jazzforums 2003 dokumentiert sind.

Europäische Projekte: Wir sind an einem weltweiten Digitalisierungsprojekt von Schrift- und Bilddokumenten beteiligt, bei dem wir nicht nur die deutsche Jazzgeschichte abdecken. Daneben haben wir aber auch ein europäisches Projekt initiiert, das wir im kommenden Jahr zusammen mit dem Königlichen Konservatorium in Den Haag und namhaften Jazzexperten aus allen (wirklich allen!) Ländern Europas durchführen: eine Jazzgeschichte Europas in englischer Sprache, ein Buchprojekt, das die Entwicklung, die Bedeutung, die Vielfalt und die Unterschiede des Jazz in Europas darstellen soll. Vorbereitende Tagungen in Freiburg und Den Haag wurden vom Europäischen Musikrat finanziert, der das Projekt auch inhaltlich unterstützt.

Weltweite Projekte: Darmstadt - Frankfurt - Deutschland - Europa ... da fehlt noch etwas: die Welt! Also haben wir auch weltweit die Fahne Darmstadts hochgehalten und uns an etlichen internationalen Aktivitäten beteiligt. Das Jazzinstitut Darmstadt gehört zum Künstlerischen Beirat der Ausstellungshalle im neuen New Yorker Konzerthaus "Jazz at Lincoln Center". Unser Rat ist auch bei der Neuausgabe der CD-Reihe "Smithsonian Anthology of Jazz" gefragt, die die Smithsonian Institution (die wichtigste amerikanische Kulturorganisation) herausbringen wird und die sich als Referenzanthologie an Studenten, Schüler, aber auch an jeden Jazzinteressierten wenden wird. Unsere Beratung wird hoffentlich dafür sorgen, dass in dieser Anthologie Europa als ein wichtiger Schauplatz der Jazzentwicklung besser wahrgenommen wird. Unsere internationalen Aktivitäten haben 2004 zu Buchveröffentlichungen im renommierten Verlag University of Michigan Press geführt. Jazzinstitutsleiter Wolfram Knauer gehört zu dessen Herausgebergremium genauso wie zu den Herausgebern der französischen musikwissenschaftlichen "Cahiers du Jazz", die 2004 zum ersten Mal erschienen. Im Herbst wurde er außerdem in den künstlerischen Beirat des Goetheinstituts berufen, das seinerseits deutsche Kultur in die Welt hinausträgt.

Ausblicke: Sie stöhnen und fragen, wie wir dieses Tempo halten wollen? Nun, tatsächlich sind schon etliche Projekte in Planung. Das europäische Networking hat 2004 einen solchen Schub erhalten, dass wir es 2005 weiterführen werden, unter anderem mit einer Tagung, die wir für November im italienischen Siena planen. Unsere Ausstellungsaktivitäten hoffen wir auf internationale Füße stellen zu können, planen Ausstellungen, die nicht nur deutschlandweit, sondern weit darüber hinaus reisen werden. Zwei Buchprojekte für 2005 sind im Manuskript bereits abgeschlossen, über sie werden wir nach Drucklegung näher berichten. Unser JazzTalk läuft weiter wie bisher, das Programm fürs erste Halbjahr steht bereits und ist mehr als spannend. Für die Aufbereitung des Jazzarchivs konnten wir uns im ausgehenden Jahr zusätzliche Räume sichern: Ab Januar wird das gesamte Bessunger Kavaliershaus, also auch die Räume im Dachgeschoss, Jazzinstitut sein. Das 9. Darmstädter Jazzforum steht im September 2005 unter dem Titel "Verrat !!! ... oder Chance? Der Jazz und sein gespaltenes Verhältnis zur Popularmusik". Und nebenbei (nebenbei???) stehen wir auch 2005 allen Besuchern, allen Anrufern, allen E-Mail-Anfragern mit Rat und Tat zur Seite.

Dank ... Das Jazzinstitut Darmstadt könnte seine Arbeit nicht ohne die große Unterstützung leisten, die es in dieser Stadt erhält: durch die Kollegen der Stadtverwaltung, die politischen Gremien, durch die Bürgerinnen und Bürger, die Jazzfreunde und Jazzmusiker, die sich daran gewöhnt haben, dass es in dieser Stadt ein Jazz-Zentrum gibt, das weltweit seinesgleichen sucht. Dafür sei allen einmal herzlich gedankt. Denn gute Arbeit ist nur innerhalb einer solchen Struktur möglich, und Darmstadt gehört da wirklich zu den beispielhaftesten der deutschen Kulturstädte. Wenn es weltweit mittlerweile heißt, "Darmstadt, wir haben ein Problem!", dann ist heute nicht nur die ESA/ESOC gemeint, die Europäische Weltraumorganisation, sondern (zumindest wenn der Hilferuf aus Jazzerkreisen kommt) oft genug auch das Jazzinstitut, das der Stadt neben Jugendstil und Neuer Musik eine weitere kulturelle Identität verleiht.

... und gute Wünsche: Wir? Das sind Doris Schröder, Arndt Weidler, Athina Kontou und Wolfram Knauer, die Mitarbeiter des Jazzinstituts Darmstadt, einem Kulturinstitut der Stadt Darmstadt, die jetzt ein wenig durchatmen, und Euch / Ihnen ein gesundes, frohes, erfolgreiches und vor allem jazz-reiches Neues Jahr wünschen.

(2004-12-29)

Informationen und Fotos von Jazzbands und Jazzmusikern findet Ihr im
Bandlexikon und im Musikerlexikon

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