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8 Fragen an Max Greger zum Konzert Swing Legenden am 04.03.02

Neue Flora

Max GregerSWINGING HAMBURG: Die Tournee trägt den Namen "Swing Legenden". Wer waren und sind Ihre ganz persönlichen Swingvorbilder?

Max Greger: Das wäre zum einen Duke Ellington, mit ihm habe ich auch zusammen auf zwei Bällen gespielt. Zwei Jahre hintereinander - einer bei uns im Bayrischen Hof und einer im Deutschen Theater: Er auf meinem Notenpult. Immer eine Stunde hin und her. Mein ganz großes Vorbild war Glenn Miller. Schon als junger Mann habe ich mir den Film "Adoptiertes Glück" so acht, zehn Mal angeschaut, weil ich von der Band und dem Sound begeistert war: Wenn die Klarinette den Glenn-Miller-Satz anführt, das ist der Gag: nicht fünf Saxophone, sondern die Klarinette führt an. Dann gibt es diese Dopplung mit dem Tenorsaxophon sowie die anderen drei Stimmen in der Mitte, aber die Klarinette ist so quasi die Leadstimme: Das hat den Glenn-Miller-Sound ausgemacht. Ich war so begeistert, dass ich dann später mit meinem eigenen Orchester diesen Sound gehegt und gepflegt habe. Ich habe ihn auch immer auf den großen Bällen meinem Publikum näher gebracht. Bei Max Greger war immer Glenn-Miller-Sound im Saal. Das ist einfach eine schöne Musik.

SWINGING HAMBURG: Was war das für eine Atmosphäre im Nachkriegsdeutschland, als Sie Ihre erste Band gegründet haben?

Max Greger: Ich hatte das Glück, gleich nach dem Krieg in einem amerikanischen Club zu spielen: Ich habe dort eine Supercombo gehabt, Hugo Strasser war fünf Jahre in meinem Orchester. Hugo ist heute 79, und ich bin 75. Wir haben das Glück gehabt zu begleiten: Ella Fitzgerald, Count Basie, Duke Ellington und Lionel Hampton. Später dann habe ich mit Louis Armstrong im Fernsehen gespielt – eine tolle Sache. Das sind meine großen Favoriten gewesen.

SWINGING HAMBURG: Direkt nach dem Krieg bei den ersten Kontakten mit den großen Jazzstars aus den USA: Wie wurden Sie von ihnen behandelt? Haben die Jazzlegenden Ihnen zu verstehen gegeben: "Ihr seid die europäischen Nachahmer?" War da eine gewisse Arroganz im Spiel?

Max Greger: Zur Arroganz ist es eigentlich gar nicht gekommen. Seit 1948 hatte ich eine eigene Band. Ich bin jetzt seit 53 Jahren Bandleader. Als ich anfing, waren die Musiker, mit denen ich jetzt auf Tournee bin, die ganze SWR Big Band, noch nicht auf der Welt. Ich glaube, der Älteste ist 50, da waren die also noch gar nicht geplant. Ein Duke Ellington hat natürlich am Anfang nicht gewusst, wer Max Greger oder wer Paul Kuhn ist. Das hat ihn gar nicht interessiert, sondern die sind mit ihren Super-Orchestern gekommen: Count Basie, eine unwahrscheinliche Band, dann Duke Ellington, eine andere Art, die haben Creole gespielt, dann Lionel Hampton, der die Riesenshow am Podium mit seinem Vibraphon gemacht hat - er hat sogar Schlagzeug gespielt. Das war der Mann, der die Ware nach vorn verkauft hat. Bis zum "geht nicht mehr". Wenn man schon gedacht hat "Jetzt ist es zu Ende", dann hat Lionel Hampton noch weitergemacht.

SWINGING HAMBURG: Lionel Hampton hat Ihnen sogar einen Job in seiner Band angeboten. Was fand er an Ihnen so begeisternd und was hat Sie an ihm fasziniert?

Max Greger: Er war begeistert von mir, weil ich diese Soli alle drauf gehabt habe: "Flying Home" und all diese Sachen habe ich gespielt, und da hat er gesagt: "Du steigst jetzt in meine Band ein." Dann bin ich auf einer Europatournee mitgefahren: Zürich, Amsterdam, Wien – das war unwahrscheinlich. Ich habe sehr viel gelernt, weil Hampton ein Showmann war. Er hat das so gut rübergebracht. Es gibt so coole Bandleader, auch bei den Amerikanern – Stan Keaton zum Beispiel -, die haben nicht viel gemacht am Podium. Aber er war natürlich – und das hat mich begeistert.

SWINGING HAMBURG: Sie haben Mitte der 60-er Jahre mit Louis Armstrong zusammen gespielt. Wie wirkte er auf Sie?

Max Greger: Mit Louis Armstrong habe ich Fernsehaufnahmen gemacht. Das war vor "Wonderful World", sein großer Hit war damals "Hello Dolly": Den haben wir mit ihm live gespielt, und wir mussten ihn wiederholen. Wir haben Zeit gehabt. Der Regisseur hat gesagt: "Noch mal von vorne." Die Leute waren außer Rand und Band. Das war ein Mann, der war so einfach: Ein Weltstar, der Autogramme gab, ein Mann wie du und ich - zum Anfassen.

SWINGING HAMBURG: Als Sie 1948 Ihr Sextett gegründet haben: Waren das dieselben Musiker, mit denen Sie statt vollblütigem Jazz auch unter dem Namen "Enzian Sextett" Volksmusik interpretiert haben?

Max Greger: Ja, das waren dieselben Musiker: Aber wir haben auch mit dem „Enzian Sextett“ Volksmusik gemacht, die swingt. In den amerikanischen Clubs konnte man das allerdings nicht bringen.

SWINGING HAMBURG: Herr Max Greger, 50 Jahre SWR-Big Band. Während viele vom großen Big Band-Sterben sprechen, erfreut sie sich größter Beliebtheit. Überall wo sie gastiert, ausverkaufte Häuser. Wie denken Sie darüber?

Max Greger: Ich glaube, dass der Swing wieder zurück kommt, und wenn noch dazu live gespielt wird ... Wir haben wirklich alles ausverkauft mit diesem Swing-Reggae. Das wollen auch die jüngeren Leute hören, weil sie merken: Mensch, das ist tolle Musik – Woody Herman oder Harry James' "Trumpet Blues". Wir spielen nur bekannte Titel, nichts Ausgefallenes.

SWINGING HAMBURG: Sicher sind Big-Bands kostspielige Unternehmen. Ist es aber nicht auch die Pflicht eines Senders, solche Bands zu erhalten?

Max Greger: Es gehört zu einer Rundfunkanstalt, dass man so eine Band pflegt und hegt, denn sie repräsentiert bei öffentlichen Veranstaltungen den Sender. Dass man jetzt verschiedene Orchester einfach abwürgt und in die Wüste schickt, ist – ich muss es so hart sagen – eine Schande.

SWINGING HAMBURG: Die ausverkauften Konzerte sind doch ein Beweis dafür, dass man wieder Big Bands hören will.

Max Greger: Ich bin völlig Ihrer Meinung. Den Leuten gefälltes und die Mundpropaganda wird immer größer. Es heißt: Geht da hin, die spielen, live bis die Schweißtropfen beim Musiker auf der Stirn zu sehen sind.

SWINGING HAMBURG: 50 Jahre SWR-Big-Band. Was wünschen Sie dem Orchester?

Max Greger: Viele Jahre noch und "Keep on swinging".

(2002-03-04)

Informationen und Fotos von Jazzbands und Jazzmusikern findet Ihr im
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