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Blues

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Der Blues entstand im 18. Jahrhundert zum einen aus geheimen Gottesdiensten, die nach traditionellen Riten der afrikanischen Sklaven abliefen. Darüber hinaus bestand er aus Worksongs der Arbeiter auf den Baumwollfeldern, in Plantagen, in den Bergwerken, beim Eisenbahnbau, die sich alle um Heimweh nach Afrika, Geldsorgen und Nöte drehten und sehr mit den afrikanischen Volks- und Kultgesängen verwandt waren. Zur Koordination der Arbeit und um Unfälle zu vermeiden, wurde der Taktstock zu Hilfe genommen, aber auch zum Zeitvertreib und um ihre monotone Arbeit leichter zu ertragen. Dann war da noch der Sprechgesang der schwarzen Priester, die von der Gemeinde mit Spirituals und Gospel beantwortet wurden. Das Spiritual, dessen religiösen Gesänge und starker Rhythmus konnten die Gläubigen begeistern.

Als es mit dem Blues begann, war es noch ruhig auf dem Lande. So war der Blues die wichtigste Form schwarzen Gesangs, die sich nach der stufenweise Aufhebung der Sklaverei um 1850 im Süden herausgebildet hatte. Die Befreiung hatte die Arbeits- und Lebensbedingungen der Afroamerikaner verändert. So manifestierte sich das erwachende Selbstbewußtsein der Schwarzen gerade in einem Liedtyp wie dem Blues. Ende des 19. Jahrhunderts begann der Blues sich in Bars, Shows und Varietés auszubreiten.

Dem Namen nach ist der Blues ein trauriges Lied: 'I Got The Blues' muss etwa übersetzt werden in 'Ich fühle mich ziemlich elend'. Der eher tragische Charakter des Bluesliedes zeigt, dass die Befreiung der Schwarzen aus der Sklaverei nicht wirklich vollzogen war.

Es war aber das Ende der kollektiven Worksongs mit ihrer strengen Funktionalität. Teilweise beeinflusste jetzt die Musik der Weißen den Blues. So konnte sich der Blues ungestört zu einer selbständigen Liedgattung entwickeln. Die Worksongs beschäftigten sich nur mit der Arbeit der Negersklaven. Der Blues hingegen war nicht mehr ein Lied der Gemeinschaft, sondern ein Lied des nunmehr alleingestellten Einzelnen.

Trotzdem war Blues beides: individuell und gesellschaftlich. Der Bluessänger hat meist eine persönliche Botschaft mitzuteilen, oft aber auch eine gemeinsame als Schwarze.

Der Blues ist ein geradtaktiges Strophenlied. Die Zahl der Takte je Strophe ist - die Masse der Blues betrachtet - variabel, reicht von 8 bis 20, doch ist eine Tendenz zu 12 Takten und in viertaktige Phrasen aufgeteilt nicht zu leugnen. Die erste Phrase (A) ist eine Feststellung, die der Sänger macht und in der zweiten Phrase nochmals wiederholt. Die dritte Phrase (B) ist nun die Folgerung seiner Feststellung, wobei die beiden letzten Takte meist offen für instrumentale Improvisationen sind. Der Strophentext wiederum besteht sehr oft aus drei Versen.

Der Text eines jeden Verses erstreckt sich über etwa zwei Takte. Es folgt eine instrumentale Fortsetzung, so dass sich zwischen Gesang und Instrument eine Ruf-Antwort-Beziehung ergibt. Der Text des zweiten Verses ist meist eine Wiederholung des ersten. Viele Melodietöne, insbesondere die sogenannten 'Blue Notes' (3., 5. und 7. Stufe) werden in der Tonhöhe bewußt verschmiert.

Die Harmonik des Blues besteht aus Tonika (T), Subdominante (S) und Dominante (D), der Rhythmus setzt sich aus Beat und Off-Beat zusammen und ergibt so den Drive, ein treibender ins sich gegenläufiger Rhythmus. Die Tonbildung wird beeinflußt durch die Blue-Notes (oder auch Blues-Skala) und die Stimme des Sängers. Zur Improvisation bediente man sich der Gitarre, der Mundharmonika und dem Beat-Schlagen auf allen möglichen Gegenständen wie Bongos, Trommeln, Töpfe und vieles mehr.

Die Ruf-Antwort-Strukturen waren schon in den Worksongs vorhanden, genau so wie auch die Blue Notes. Flüstern, Murmeln, Schreien, Sprechen, Stöhnen oder plötzliches Umkippen der Stimme ins Falsett - das alles prägt den Vortrag des Blues mit einer Breite, die vom dezenten Erzählen bis zum ausdrucksstarken Singen reicht.

Auch die kreolischen Gesänge, rhythmus-starke Melodien der karibischen Inseln, waren Folklore der afrikanischen Stämme und eine Entwicklung aus den Stammesliedern. So sind die Balladen der weißen US-Amerikaner bekannte Beispiele, wie 'When The Saints Go Marching In'.

Der Blues drückt am besten die Gefühle des vortragenden Sänders oder Instrumentalisten aus, was bedeutet, dass durch Improvisationen Freude, Hoffnungen, Sorgen, Trauer usw. ausdrückt werden, und s´das gleichwohl in einer Art Monolog oder Selbstgespräch.

Gegen 1920 erschienen die ersten Lieder von schwarzen Bluessängern auf Schallplatte. Damit fing (leider?) auch die Kommerzialisierung des Blues an. Schon nach kurzer Zeit gab es einen richtigen Blues-Boom, der in den Jahren 1927 bis 1929 in Chicago seinen ersten Höhepunkt fand. Anfänglich wurde die Blues-Platten meistens von der schwarzen Bevölkerung gekauft, während die weiße Bevölkerung sich dem Blues gegenüber verschloss.

So nannte man den Blues 'Rassen-Musik'. 1929 kam mit der Weltwirtschaftskrise auch der Blues in ein Tief, das bis 1933 anhielt. Der ursprüngliche Blues wie der von Howling Wolf waren plötzlich nicht mehr angesagt. Damit war auch die Zeit der Musiker, die ihren Blues zur Gitarre sangen, vorbei.

Der Blues wurde überregionaler, und Gesangsgruppen wie die Platters oder das Golden Gate Quartet nahmen sich der neuen Musikrichtung mit Erfolg an.

Die amerikanische Schallplattenindustrie wollte mit Gewalt verhindern, dass Musiktitel der Schwarzen in die Charts kamen. Es gab einen regelrechten Kleinkrieg zwischen der weißen Country-Music und dem schwarzen Blues. Wenn ein schwarzer Musiktitel hitverdächtig war, wurde er sofort von einem weißen Sänger gecovert, um den Aufstieg in die Charts zu verhindern. So begann auch die Karriere von Elvis Presley, der vornehmlich ausgesucht wurde, weil er eine Stimme hatte, die sich nach einem Schwarzen anhörte.

Erst die Erfolge von Chuck Berry konnten den Siegeszug der schwarzen Musik nicht mehr aufhalten. Bis heute hat der Blues - ungeachtet irgendwelcher Popmusik - seine Popularität nicht verloren. Schließlich ist er die Wurzel Rock 'n' Roll, Heavy Metal oder sogar Rap.

(2001-01-01)

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