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Mein Weg zum Jazz (Teil 22) - Einige schöne Jahre bei der Canal Street Jazzband

Heinrich Winckelmann

1973/74 muß es gewesen sein, als mich meiner alter Jazzfreund Edgar Voigt anrief und mir mitteilte, daß er bei der Canalstreet Jazzband aufhören müsse, da er mit dem Spielen bei Bruno's Salon Band sehr ausgelastet sei. Ich fing für die nächsten drei Jahre an, bei der namhaften Canal Street Jazzband das Sousaphone zu blasen. An den Kornetts bliesen 'Piesi' Peter Prieß und Günther Helms, Posaune spielte Hans-Jürgen Wittmann, Klarinette Klaus Nockemann, am Piano saß dessen geschiedene Ehefrau Christiane Nockemann, den Nachnamen des bärtigen Banjosspielers Erwin erinnere ich nicht mehr.

Nur nervte mich dieser bei den regelmäßigen freitäglichen Auftritten in der Neumühlener Seglerbörse oftmals nicht unerheblich. In den Spielpausen zündete er sich jeweils eine schwere schwarze Zigarette namens Roth Handle an, klemmte diese beim Beginn der nächsten Spielrunde oben in die nichttönenen Saiten seines Banjos, wo der Rauch froh und munter mir, dem luftbedürftigen Sousaphonespieler, während des Blasens ekeleregend in die Nase stieg. Und ich hatte 1972 selbst mit dem Rauchen aufgehört.

Um nicht das schwere Instrument den ganzen Abend auf der Schulter tragen zu müssen, besaß ich einen vernickelten Sousaphone-Ständer, der malerisch aussah. Neben den regelmäßigen freitäglichen Auftritten in der heimatlichen Seglerbörse spielten wir in ganz Norddeutschland und nicht selten in der Hamburger Fabrik. Dazu wurde regelmäßig geübt.

Klaus Nockemann mit seiner "Pressluftklarinette" wählte die Stücke aus, seltene, witzige und urige Stücke. Am Freitag riefen die Fans dann schon frühzeitig: Wir wollen "Razzazzamazzazza". Ein Beerdigungsong hießt einfach "Seite 110", weil keiner den Titel kannte. Heute meine ich, daß es der amerikanische Beerdigungssong "Flee like a Bird" war.

Da ich mit meiner dreiköpfigen Familie noch einmal mein berufliches Ruder herumgeworfen hatte und Pauker studierte, haben Gattin Elke und ich nicht selten am auf den Freitag folgenden Sonnabend mit meiner kleinen Gage für das Wochenende eingekauft. Durchschnittlich gab es ca. 80,- DM per Nase, wenn es hoch kam DM 120,-. Nach ca. zwei bis drei Jahren fing es an mich fürchterlich an zu nerven, daß ich mit peinigender Regelmäßigkeit jeden Freitagabend in der Seglerbörse in der gleichen Ecke am Sousaphone sitzen mußte, um die gleichen Stücke zu spielen.

Gegen 24 Uhr 30 überkamen mich so starke Fluchtinstinkte, daß ich richtig sauer war, wenn noch betrunkene Gäste hereinkamen, für die wir dann noch weiterspielen sollten. Ich bat meine netten Kollegen um Trennung, was mir dann auch gewährt wurde. Und wieder gab es eine musikalische Pause, zumal ich nach dem Studium wieder in der Werbung als Werbeleiter von edding in Ahrensburg anfing. Der neue Job ließ mir keine oder wenig Zeit für den Jazz.

Trotzdem konnte ich es mir nicht verkneifen, auf eine Kleinanzeige im Hamburger Abendblatt ein US-Armee-Banjo der Marke Gretzsch für DM 850,- zu kaufen. Mit viel Mühe zog ich ein neues Fell aus Kunststoff auf. Diese Felle sind besser als Nurfelle, da sie einerseits eine höhere Spannung für größere Lautstärke zulassen, andererseits absolut feuchtigkeitsfest sind. Das wird jedoch nur der zu schätzen wissen, dessen Naturfell- Banjo bei steigender Luftfeuchtigkeit immer dumpfer wurde.

(1998-12-24)

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