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Mein Weg zum Jazz (Teil 18) - Riesen-Jazzer-Auftrieb zum Vatertag

Heinrich Winckelmann

Der Vatertag nahte. Für uns Noch-Nicht-Väter der gegebene Anlaß, mit einigen Dutzend Jazzern in die grüne Heide und / oder Sachsenwald zu ziehen. Alles was derzeit bei uns spielte - oder mal gespielt hatte - wurde eingeladen. Treffpunkt: Frühmorgens am Aki-Kino vor dem Hamburger Hauptbahnhof.

Jazzend gings mit der Eisenbahn in den Sachsenwald, dann zu Fuß ins Grüne - der witzige kleine etwas randständige - Schlagzeuger rollte seine Schießbude auf einem Kinderwagen daher - Platz für ausreichende Flüssigkeiten war auf dem Gefährt allemal. Mit Anhang, d.h. den befreundeten Dame, wurde ein lustiger mit Jazz vollgefüllter Tag im Grünen verbracht - viele fremde Vatertagsreisende schlossen sich uns an. Es wurde jeweils ein richtig geiler Jazztag, den man abends total erschöpft in der Hamburger Jazzszene beendet.

1965 kam ich wieder zum Jazz und belebte die Jazz Germanen erneut. Ich hatte mir inzwischen ein Alt-Saxophon zugelegt und konnte dieses ein wenig blasen. Damit traten wir dann zum Wettbewerb der Ausscheidung zum Deutschen Amateur Jazzfestival an. Erste Ausscheidung war Ende 1964 im Bergedorfer Lichtwarkhaus. Ein altes Foto zeigt mich hier am Altsaxophon, neben Dieter Haupt am Kornett, Ernst Pohanke an der Posaune, Edgar Voigt am Sousaphone. Neben mir stand Heinrich Otto Leopold als Tenorsaxphonist, Der Pianist ist mir ebenfalls nicht mehr geläufig.

Knapp siegten wir vor den heimischen Mountain Village Jazzmen und hatten uns damit für die Hamburger Endausscheidung im Audimax für Ende Feburar 1995 qualifiziert. Hier ging es voll daneben. Ich weiß noch wie heute, daß ich als frischest-gebackener Altsaxspieler mit zitternden Fingern vor dem Auftritt hinter der Bühne stand und vor Lampenfieber bibberte. Ich hätte ein Vermögen dafür gegeben, nicht nach vorn zum Auftritt zu müssen. Mußte ich aber! Das war meinem Spielen alles andere als förderlich, denn ich brachte kaum einen vernünftigen Ton beim Auftritt zustande.

Wahrscheinlich war das daran Schuld, daß hinterher in der Zeitung "Die Welt" stand: "Was Carlos Jazz Germanen dann boten, klang sehr alt und sehr falsch, als ob man eine Schellackplatte zu lange auf der Heizung gelegen hatte!" Das war wohl meine persönliche Kritik. Nie wieder in meinem Leben hatte ich wieder derartiges Lampenfieber. Wahrscheinlich lagen die Saxophonsätze, die ich mir mit meinem Tenorkollegen Heinrich Leopold eingepaukt hatte, weit über meinen spielerischen Möglichkeiten.

Üben taten wir in der Bernadottestraße, der feinen Gegend von Hamburg im ausgebauten Keller von Ernst Pohanke. Damit die Jazzer nicht durch das Haus der Schwiegermutter trampeln mußten, baute er am Kellerfenster extra für uns einen kleinen Holz-Ein- und Ausstieg. Erinnerlich ist mir noch ein Auftritt auf dem amerikanischem Flugzeugträger "Enterprise" im Hamburger Hafen. Hier wollte der inzwischen zu uns gestoßene Schlagzeuger Erich Nieswand auf keinen Fall auftreten, da er überzeugtester Pazifist war. Ich mußte für diesen Abend einen Gastschlagzeugspieler anwerben.

Im Jahre 1966 starb der Name Carlos Jazz Germanen. Ich hatte aufgehört, weil ich beruflich für ein halbes Jahr zur Werbeagentur Witzgall nach Dätzingen bei Stuttgart übersiedelte. Kehrte dann aber zum Frühjahr 1966 zurück.

(1998-12-24)

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