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Mein Weg zum Jazz (Teil 09) - Vater Henrys Kohlenkeller wird zum Jazz-Domizil

Heinrich Winckelmann

Die Frage des Übungsraumes löste ich genial. Wie es mir gelang, Vater Henry den alten Kohlenkeller in der Dorotheenstraße abzuschnacken, weiß ich heute noch nicht. Zu unserem Keller gelangte man nach dem Überwinden langer Kellergänge und massiver Luftschutztüren im hinteren Teil des unterkellerten Hauses an der Dorotheenstraße. Vor dem Lichtanmachen leuchteten immer die aus der Kriegzeit an den Wänden befindlichen Phosphor-Markierungen dort, wo man zum Nachbarhaus durchbrechen konnte. Irgendwie unheimlich.

Also, ich krempelte die Ärmel auf und entfernte alle alten Kohlen und gesammelten väterlichen Vorräte. Besonders auffallen tat dabei der alte Wehrmachtsstahlhelm in Übergröße 62 von Vater Henry. Diesen bewahrte er auf, weil der bereits im III. Reich eine Sonderanfertigung war. Ein zweites Mal wollte sich Vater Henry wohl nicht der Mühe unterziehen, für seinen Brassenschädel eine Sonderstahlhelm zu ergattern. Ich habe übrigens den Megalozephalus meines Vaters mit dem imponierendem Kopfmaß von stolzen 61/62 geerbt.

Eine Schweinsarbeit war es, den siffigen Keller zum Jazzkeller umzufunktionieren. Die Wände wurden mit jazzigen Motiven bemalt, die Klorohre mit rosa Schaumstoff umwickelt, damit sie keine Schall-Leitquelle für das gesamte Mietshaus wurden. Dann wurde die Decke und teilweise die Wände mit Eierkartons beklebt.

Nun trafen sich mindestens einmal die Woche die Skiffler zur Musiksession im Keller der Dorotheenstraße zum Üben. Horst Sporleder war neben dem Betätigen des Teekistenbasses die Rolle als Hauptsänger zugefallen, denn er hatte eine gute Stimme, die in Richtung der Gesangsstimme von Ken Colyer ging. Daneben hatte er eine unheimliche Begabung, dann, wenn ihm der englische Originaltext des Stückes fehlte, irgendwie auf Pidgin-Englisch zu improvisieren. Das klang zwar unheimlich authentisch, hätte einem Engländer sicherlich die Zornesröte in die Augen getrieben. Ich spielte das Tenorbanjo und war für das Abhören von Schallplatten für die Texte zuständig und fertigte danach dann die nötigen Textschriftstücke für die Kollegen an.

(1998-12-24)

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