Swinging Hamburg


Aktuelles
Jazz-Forum
Terminsuche
Swinging Hamburg e.V.
Clubs etc.
Jazzband-Lexikon
Musiker-Lexikon
Jazz-Lexika
Jazz-CDs
Jazz-Links
Geschichte
Kontakt


Mein Weg zum Jazz (Teil 06) - Beim Steinesetzen bei Rudolf Neber in Barmbek

Heinrich Winckelmann

... und das alles für ein Banjo! - Pfui Teufel! Hochsommer war's - die Sommerferien dräuten heran. Mit Freund Horst Sporleder gings zum Straßenbau zu Rudolf Neber nach Barmbek. Scheißarbeit, Steineschleppen im Straßenbau bei höchstsommerlicher Hitze, wobei nur der Wasserhydrant die schweißüberströmte Körperlichkeit vor dem Schmelzen bewahrte. Abends sank ich zum Abendbrot halbtot auf das Schmerzenslager, nachdem ich noch das Glück hatte, einem fleißigem Granitsteinsetzer im Akkord die Steine herbeischleppen zu müssen. Da konnte ich mir gerade noch aussuchen, nach welcher Seite die zentnerschwere Schubkarre mit den granitenen Wackersteinen wohl zuerst umkippen wollte.

Mittags sorgte ein vollständig tätowierter lettischer ehemaliger SS-Mann für Heiterkeit bei den hart arbeitenden Schülern. Meine Not linderte sich jedoch vollständig, da ich als Handlanger zum Parkuhren-Richten zu einem alten Vorarbeiter in die Hamburger Innenstadt versetzt wurde. Morgens hatte ich in der Admiralitätsstraße eine Schott'sche Karre mit Schaufeln und einem langstängigem Richtelement für verbogene Parkuhren-Säulen zu holen. Damit gings los, verbogene Parkuhren wurden gerichtet, neue gesetzt.

Was das alles mit Musik zu tun hat, fragt der geneigte Leser? Klar doch, um's Banjo ging's! Mein Vorarbeiter hatte die Arbeit nicht erfunden, sonnabends machten wir manchmal Punkt neun Uhr morgens Schluß. Nun gut, ich hatte die Stundenzettel ja nicht zu verantworten. Eines Tages, ich arbeitete gerade an einem neuen Parkuhrenloch vor Karstadt an der Mönckebergstraße, da starrte mich entgeistert mein Schulkollege Hanno Hartig an.

Als Sohn eines höchstverdienenden Arzt-Elternpaares von der Nobeladresse Leinpfad hat er wohl für sein Banjo nicht so schuften müssen. Wenn er eines überhaupt gewollt hätte. Uns beiden war die Begegnung gleichermaßen unangenehm - wahrscheinlich vergleichbar mit den Gesichtern von Karl-Marx und Rockefeller, beim Treffen vor Karstadt. Die Leidenszeit der Sommerferien ging vorbei - das Tenor-Banjo in einem Kunstoffbeutel wurde mit dem schwer verdienten Geld gekauft.

(1998-12-24)

Informationen und Fotos von Jazzbands und Jazzmusikern findet Ihr im
Bandlexikon und im Musikerlexikon

zurück

Webseitenprogrammierung: 1a im Internet
Redaktionssystem-Programmierung: Bischoff GRAF!K-DES!GN


© 1999-2012  SWINGING HAMBURG     Ein Service vom  LOKAL-ANZEIGER VERLAG