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Mein Weg zum Jazz (Teil 04) - Der Jazz streckt seine Füße in Heinrichs Gefilde

Heinrich Winckelmann

Der Jazz hatte leise seine Füße in Heinrichs musikalische Gefilde gesteckt. Bruder Jens spielte auf dem kurzfristig in seinem Besitz befindlichen elektrischen Nadelgrammophon, das an Vater Henrys alten Körting-Radiapparat angeschlossen wurde, einige alte Schellack-Platten, wovon mir bis heute noch der alte jazzige Schlager "Miss Annabelle Lee" mit seiner Frage: "Who's wonderful, who's marvellous, Miss Annabelle Lee?" in den Gehörgängen herumspukt.

Bruder Jens versuchte erfolgreich, diesen Plattenspieler an einen Menschen aus der benachbarten Gryphiusstraße zu verkaufen, war jedoch nicht eben erfreut, als der kleine Bruder den Käufer innerhalb der heftigsten Kaufverhandlungen darüber zu informieren suchte, daß Nadelplattenspieler doch wohl nicht mehr zeitgemäß seien, da es doch modernere gäbe, die mit Saphiren spielten. Bruder Jens hätte mich wohl am liebsten erwürgt. Der Käufer schien nichts auf die Ratschläge kleiner Jungen zu geben und zog zufrieden mit dem Kasten und meiner Lieblings-Miss Annabelle Lee ab.

Für Vater Henry war Jazz nur irgendwelche Negermusik. Kein Wunder, die völkischen Zeiten waren ja gerade erst zehn Jahre vorbei. Auf meinem kleinen Kristall-Detektor und dem Kopfhörer versuchte ich immer Freitags abends um 9 Uhr 15 die AFN-Sendung "Jazz mit Joe" zu empfangen. Deren Erkennungsmelodie, der Armstrongsche Hot Five-Titel "Yes I'm in the barrel", krönte die Suche mit der Nadel auf dem Kristall. Eine halbe Stunde lang gab es über Kopfhörer nun die herrlichsten Jazztitel als Erfüllung von Hörerwünschen.

Mit dem aufkommenden Rock'n'Roll hatte ich nichts am Hut, der alte Jazz hatte mich bereits voll in den Fängen. Meine erste eigene Jazzplatte kaufte ich bei einer Jugendreise nach Schwelm bei Wuppertal. Es war die kleine Single-Platte "Icecream" von Chris Barber. Mit äußerster Vorsicht durfte ich diese dann auch mal tagsüber auf Vater Henrys kostbarem Dual-Plattenspieler in der mahagoni-farbenen Musiktruhe im Wohnzimmer spielen.

Zu Weihnachten gabs dann für Bruder Jens und mich je eine Louis-Armstrong-Single. Er erhielt die Hot Seven - ich die Hot Five mit dem Muskrat-Ramble und drei weiteren Titeln, u.A. mit der heißgeliebten Erkennungsmelodie vom freitäglichen "Jazz mit Joe". Meinen spärlichen Taschengeldmitteln entsprechend, kam äußerst langsam eine Platte zur anderen, wobei die LP-Importe des amerikanischen Labels Riverside für DM 28,- vom Musikhaus Lichtenfeld am Gänsemarkt mich immer wieder für lange Zeit bargeldlos machten.

Aber was macht das schon, wenn man King Oliver's Creole Jazzband im Hause hat, Leon Bismarck "Bix" Beiderbecke's Wolverine Jazzband, Leon Rapollo's New Orleans Rhythm Kings - und wie die arg teuren Schätzchen so hießen, die ich mir vom Munde absparte. Es war wohl auch die Zeit, wo ich mich wieder auf einem Musikinstrument versuchen wollte.

(1998-12-24)

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