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Mein Weg zum Jazz (Teil 02) - Brav tippelte Jung-Heinrich zu Fuß zum Geigenunterricht

Heinrich Winckelmann

Vor den Erfolg haben die Götter bekanntlich den Schweiß gesetzt, in diesem Falle den meinigen. Hieß es doch nunmehr künftig treu und brav einmal die Woche zum Borgweg zur Geigenlehrerin Edith Garvens wandern. Diese wohnte zwar nur eine U-Bahnstation von unserer U-Bahnstation Sierichstraße entfernt, jedoch bei spärlichem Taschengeld setzte immer wieder ein Abwägen zwischen 30 Pfennig Fahrgeld oder 5 Kilometer Fußmarsch ein.

Schwarzfahren kam für ein guterzogenes bürgerliches Kind nicht infrage, das rangierte gleich hinter Ladendiebstahl. So etwas macht man nicht ! Also, losgestiefelt zu Frau Edith Garvens, einem liebenswerten Älteren FrÄulein, das aus dem kleinen Heinrich nun einen Jung-Paganini formen sollte. Belustigt hat mich damals immer deren Namenschild an der Haustür. Dort residierte in der alten Patriziervilla noch ihre Schwester Myra Eddelbüttel. Eine Namenskombination, die mich immer wieder höchlich belustigte.

Mein Schulkollege Jörn Haar hatte dort ebenfalls Geigen - Unterricht, war mir um Lichtjahre voraus und durfte bereits in der Grundschule am Voßberg vorgeigen. Mir kam er wie Jehudi Menuhin vor. Noten lesen war nicht gerade meine Stärke - ich merkte mir recht und schlecht, wo und wie die auf der Geige befindlichen Töne sich auf dem Notenblatt repräsentierten und fing zu zielen an.

Die Trefferquote hielt sich in deutlichen Grenzen. Ich machte es mir zur Gewohnheit, daß ich mein verehrtes Geigenfräulein erst einmal bat, mir die betreffende Passage auf der Geige vorzuspielen. Dann spielte ich sie nach dem Gehör nach, vortäuschend, diese wackere Leistung sei durch Noteninterpretation erzielt. Das ging solange glänzend, bis mein Fräulein einmal krank darniederlag und von Ihrem Sohn Erwin und seiner Bratsche vertreten wurde. Der roch den Braten sofort - ich mußte mich künftig mit den schwarz- und hohlköpfigen Gesellen, die so munter auf den schwarzen Linien tanzten, besser anfreunden.

Meine Fertigkeit auf der Geige wuchs, obwohl ich meine häuslichen Übebemühungen stark begrenzte. Das war - meine ich heute - schon damals eine echt menschliche Geste gegenüber unseren Nachbarn. Dieses Minimum brachte mich immerhin dazu, auf einem der jährlichen Hauskonzerte bei Frau Garvens den "Reigen seeliger Geister" von Willibald Gluck, einem ebenso erfreuten, wie hochverehrten Publikum darbieten zu dürfen.

Der Stolz meiner Erzeuger, die meiner Interpretation dieses Werkes im Halbdunkeln des Konzertzimmers lauschen durften, wird sich sicherlich im Verlauf des Vortrages relativiert haben und der Haltung des Dabeisein-ist-alles-Einstellung gewichen sein. Zugegeben, Jörn Haar spielte ein wenig melodiöser, doch ich meinte damals, daß, wer übt, ein Schuft sei! Später erzählte mir meine Familienbande, wie sie sich bei meiner Streichpartie gekrümmt hätten. War wohl doch nur der blanke Neid auf die künstlerisch hochambitionierte Leistung.

(1998-12-24)

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