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Mein Weg zum Jazz (Teil 01) - Mit der Geige fing es an

Heinrich Winckelmann

Obwohl ich nicht - wie weiland der kleine Louis Armstrong in New Orleans - im Waisenhaus aufwuchs, um dort das Spielen des Kornetts zu erlernen, möchte ich doch meinen Einstieg in die Musik schildern.

Wie die Heuschrecken-Plage einst die erschreckten Einwohner Ägyptens überfiel, so überfiel ich in den letzten Tagen des Jahres 1953 die ebenso verschreckten Mitbewohner des Hauses Dorotheenstraße 143 in Hamburg-Winterhude. Dorthin verirrte sich der Weihnachtsmann nämlich mit einem länglichen Paket, welches das neue nachbarliche Folterinstrument enthielt, nämlich eine 3/4 Geige.

Welcher Teufel mich Knaben wohl geritten haben mag, mir dieses Streichinstrument sehnlichst zu Weihnachten zu wünschen, ist heute nicht mehr klar feststellbar. Eines weiß ich jedoch auch heute noch genau, das einzige Streichinstrument, das sich bisher im Hause von Annemarie und Henry Winckelmann befand, war das Butterbrotmesser.

Mein anspruchsvoller Wunsch nach diesem neuen Jammer-Instrument wird mit den Besuchen bei Großvater Ferdinand Winckelmann in Hanstedt in der Heide zu tun haben. Dort, wo es im ersten ziemlich dunklen Stockwerk aus der unten befindlichen Bäckerei Rademacher immer so lecker nach frischem Brot duftete, residierte Großvater Ferdinand mit Gattin Anna-Maria, meiner Großmutter.

Betrat man nach dem Erklimmen der steilen Holztreppe die gute Stube von Oma und Opa, mußte man zuerst einmal ein Rentiergeweih passieren, das ebenso kopf- wie körperlos die dunkle Ecke über dem Treppenaufgang zierte. Das hinterste der drei nebeneinandergelegenen Zimmer war Großvaters Ferdinands Musikzimmer. In diesem stand ein riesiger schwarzer Konzertflügel, auf dem sich eine ansehnliche Bronzestatue räkelte, Gott Hermes, splitterfasernackt, wie ihn Vater Zeus geschaffen hatte. Wie ich später erfuhr. Heute ist Nackedei Hermes in meinem eigenen Besitz, ein Ehrengeschenk des Hamburger Staates an den Komponisten Oskar Fedras, das dieser, ablebend, seinem Freund und Bankvorsteher Ferdinand - meinem Opa - hinterließ.

In einem großen Kleiderschrank an der linken Zimmerseite lag unten in ihrem Etui eine Geige. Diese hat wohl so viel Begehrlichkeit bei mir ausgelöst, daß der liebe Gott meinte, zwei Fliegen mit einer Klappe treffen zu können. Einerseits meine Nachbarn trefflich zu strafen, andererseits mich Weihnachten zu erfreuen. Daß diese weihnachtliche Gabe ein Danaergeschenk war, sollte sich erst später herausstellen.

Vater Henry war wahrscheinlich schon voller Vorfreude, daß er, nach einer angemessenen Zeit, zu seiner Klavierbetätigung sich nunmehr eines kongenialen Geigenpartners werde erfreuen dürfen.

(1998-12-24)

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