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Die Geschichte der Hamburger Jazzszene - Teil 03

Gabriele Benedix

4.2 Die Clubs

Generell läßt sich auch in Hamburg eine zeitliche Bestimmung der Stilrichtungen bestimmen. Es gab in den 40ern den Bebop, in den 50ern den Hardbop, dann den Cool Jazz. Vor allem aus der Bebop-Richtung entwickelte sich Anfang der 60er Jahre der Free Jazz, der auf den Festivals ein wichtiger Bestandteil während der gesamten 60er Jahre war. Diese Stilrichtungen wurden auch in den unterschiedlichen Clubs gespielt, der Modern Jazz etablierte sich erst vergleichsweise spät.

Für den Dixieland-Jazz sind als wichtigste Häuser die Jailhouse-Taverne und der Cotton Club am Großneumarkt zu nennen. Die Taverne beschäftigte eine eigene Jazzband - die Jailhause-Jazzband - und schloß Mitte der 60er Jahre ihr Haus. Der Cotton Club, gegründet Mitte der 50er, spielte puristisch Dixielandmusik - das Konzept hat sich bis heute gehalten.

In Nienstedten gründete sich in den 60er Jahren die Seglerbörse. Dort spielten regelmäßig Musiker aus den Elbvororten, wie z.B. die Jazz Lips. Ebenfalls seit den 50er Jahren gab es in Hamburg die Riverkasematten in einem winkligen Gewölbe am Fischmarkt an der Elbe. "Da ging man die Stufen runter, und da waren die Riverkasematten mit einem sehr pikoresken Wirt, der von nichts 'ne Ahnung hatte, aber ganz lieb war." In den Kasematten wurden alle Stilrichtungen gespielt, von Oldtime über Swing bis zur modernen Musik. Die Konzerte waren durchweg gut besucht, auch Romy Schneider und Curd Jürgens waren dort zu Gast. Anfang der 70er Jahre wurde der Club geschlossen: "Die Riverkasematten wurden dann in den 80er Jahren noch einmal in der City wiedereröffnet, aber man kann die Geschichte nicht zurückholen und der Versuch scheiterte."

Das Barrett bei den Colonaden existierte 1953 bis 1966. Es lebte von der Bebop- und Hardbop-Szene, Dixieland wurde dort gar nicht gespielt. Trotz allem galt es nicht als reiner Modern-Club - z.B. war Michael Naura, der dort regelmäßig mit seinem Quintett spielte, ein reiner Mainstreamer. Der Modern-Interessierte ging in das Jazzhouse in der Brandstwiete, das von Peter Marxen 1967 gegründet wurde. Dieser Club gilt als erster Veranstaltungsort für modernen Jazz in Hamburg, in dem fast alle modernen Richtungen vertreten waren. 1975, nachdem Marxen schon lange das Onkel Pö gegründet hatte, wurde das Jazzhouse verkauft. Seitdem nennt sich der Club Knust, und dient als Spielstätte für die Rockmusik.

Einer der ältesten Jazzclubs ist der Dennis Swing Club, der bis heute in der Papenhuderstraße in Uhlenhorst existiert. Sein Schwerpunkt lag auf Modern Jazz. Viele internationale Stars, vor allem aus den USA, besuchten den kleinen Club. "Dennis spielte selbst Klavier, wenn kein Pianist da war. Es war der einzige originale Harlem-Jazzclub, wie man ihn sich vorstellt." Mitte der 70er Jahre erreichte Folkwelle Deutschland. In dieser Zeit begann man, von der berühmten 'Hamburger Szene' zu sprechen, die einher ging mit einem New Orleans- und Dixieland-Revival. Udo Lindenberg sang "Bei Onkel Pö's spielt 'ne Rentnerband", Frumpy mit Inga Rumpf wurde bekannt genauso wie der frühe Otto Walkes. Im ganzen wurden diese goldenen 70er etwas hochgezüchtet. "In dieser Zeit mischte sich vieles, Dixieland mit Blödelliedern, dann kam noch der Pop dazu. Richtig lebendig war die Szene nur zwei Jahre bis 1977/78." Diese Hamburger Szene wurde geprägt durch das Onkel Pö, das von Bernd Cordo im Mittelweg gegründet wurde. Berühmt wurde das Pö nach der Übernahme durch Peter Marxen. Er vereinte Jazz-, Rock- und Popmusik. Der Akzent im Jazzbereich verlagerte sich zunehmend auf den modernen Jazz. "Und da ging das eigentlich ... ein bißchen über das Stammgastmodell." Das heißt, die Gäste besuchten die Kneipe, weil man andere Gäste treffen wollte und nicht unbedingt wegen der Musik, "...und so wurde es dann quasi auf eine ganz frühe unschuldige Art so etwas wie ein Szenetreff." Man traf Leute aus der Schallplattenindustrie und vom Rundfunk. Alle vier Interviewten hoben die besondere Atmosphäre hervor, in der sich der Maurer von schräg gegenüber und der Präsident einer Schallplattengesellschaft miteinander unterhielten. Sein Konzept ging auf: Am Wochenende ließ er die Bekannten (und damit die finanzstarken) Musiker auftreten, in der Woche leisere oder unbekanntere Bands. Als er verkaufte, bröckelte das Pö auseinander. Generell ist festzustellen, daß es in jedem Stadtteil irgendwann einen Jazzclub gab.

In den späten 70ern wurde das Remter in der Alten Rabenstraße gegründet. Anfangs wurde dort viel Folk gespielt, dann kam der Jazz hinzu. Mitte der 50er gab es das Tabu in der Spitalerstraße in einem Keller, das spätere Pigalle. "Schön war der freie Eintritt, damals hatte ja kein Mensch Geld. Dafür war das Bier sehr teuer." Mitte der 70er gründete sich das Lütt Huus in Volksdorf, das früher eine alte Kate war: "Man hatte das Gefühl im Wohnzimmer zu spielen." Das Consortium in Harburg ist bis heute eine Spielstätte für Nachwuchskünstler in den Bereichen Jazz und Rock.

Während der Folkzeit gab es auch das Danys Pan am Heidenkampsweg. Der Laden war in ganz Deutschland bekannt, viele Stars haben dort für wenig Geld angefangen (z. B. Otto, Insterburg). Gut besucht war auch der Jugend- und Jazztreff im Hochbunker am Pölchaukamp, ein kaltes Gewölbe ohne Strom oder jeglichem Komfort. Mitte der 80er Jahre gab es für zwei oder drei Jahre das Cirkel hinter der Markthalle am Klosterwall. Dies war ein guter, moderner Jazzladen, in dem beispielsweise Braxten auftrat. "Es war ein Avantgarde-Laden, der für Hamburg außergewöhnlich war. Es saßen aber meist nur 5-7 Leute da." Jazzfestivals spielten bis Mitte der 70er Jahre, als der NDR zusammen mit der Fabrik das Jazzfestival ins Leben rief, eine untergeordnete Rolle. Eine Zeitlang fand im Audimax der Wettbewerb 'Die beste Band' statt. Seit Mitte der 70er gibt es im Januar im CCH das Festival 'Hotjazz-Meeting'. Auf dem LiLaLe spielten immer fünf bis sechs Bands an drei Tagen.

Auszüge aus der Diplomarbeit und mit freundlicher Genehmigung von Gabriele Benedix

(1999-08-23)

Informationen und Fotos von Jazzbands und Jazzmusikern findet Ihr im
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