Koller, Hans (1921-2003)
tenor saxophone, soprano saxophone, composer

Hans KollerHans Koller, geboren am 12.02.1921 in Wien (Österreich), gestorben am 21.12.2003 in Wien an den Folgen einer Lungenentzündung. Koller wäre im Februar 83 Jahre alt geworden.

Sein Vater, Eisenbahner und engagierter Sozialist, unterstützte ihn bei seinem Wunsch, Saxophon zu spielen. Als 14-Jähriger wurde Koller auf Grund seiner Vorkenntnisse gleich in das fünfte Semester der Wiener Musikakademie aufgenommen. Bereits damals spielte er Jazz und trat mit diversen Tanzkapellen auf. 1941 wurde er eingezogen und landete später in amerikanischer Kriegsgefangenschaft, in der er eine Lagerband aufstellte.

Nach seiner Entlassung gründete er 1946 in Wien den Hot Club Vienna. Nach einem kurzen Engagement im Orchester Horst Winter zog Koller nach Deutschland, spielte Tenorsaxophon in der Band des Swing-Schlagzeugers Freddie Brocksieper in München und gründete kurz darauf sein eigenes Quartett mit der Pianistin Jutta Hipp, dem Kontrabassisten Shorty Roeder und dem Schlagzeuger Karl Sanner.

Diese Band, die sich am amerikanischen Cool Jazz jener Jahre orientierte, und in der u.a. der junge Albert Mangelsdorff seinen ersten Ruhm erspielte, wurde schnell zu einem der bekanntesten Ensembles des modernen Jazz in Deutschland.

1957 bis 1958 war Koller ein Jahr lang im Orchester des SWF Baden-Baden unter dem Arrangeur Eddie Sauter beschäftigt. Er spielte mit Musikern wie Dizzy Gillespie, Lee Konitz, Zoot Sims und Stan Kenton, trat 1958 zusammen mit Benny Goodman und dessen Band bei der Weltausstellung in Brüssel auf.

Trotz zahlreicher Angebote aus Amerika, wo er von Kritikern gefeiert und von den Größen des Jazz als gleichwertig angesehen wurde, zog Koller es vor, in Europa zu bleiben. 1958 übernahm Koller für sieben Jahre die Leitung der NDR-Jazzworkshops in Hamburg.

In den frühen 1960er Jahren war Koller Mitglied der European All Stars und legte 1965 zusammen mit dem Gitarristen Attila Zoller und dem Pianisten Martial Solal die hochgelobte Platte Zo-Ko-So vor.

Koller war in diesen Jahren auch verstärkt als Filmkomponist tätig, übernahm für die Spielzeit 1968/69 zudem die musikalische Leitung des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg.

1970 ging Koller zurück nach Wien, gründete sein Free Sound Ensemble, in dem kollektive Improvisationen und eine avancierte Free-Jazz-Auffassung im Vordergrund standen. 1975 und 1978 machte er zudem Aufnahmen mit großer Blechbesetzung. Anfang der 1980er Jahre spielte Koller vor allem in kleinen Besetzungen, oft nur mit Duo-Partnern. Daneben entstand während der Arbeit an einem Studienwerk für Saxophon 1982 ein Saxophon-Ensemble, dem neben Koller u.a. Wolfgang Puschnig und Bernd Konrad angehörten.

Neben seiner musikalischen Arbeit verfolgte Koller seit den späten 1950er Jahren auch eine künstlerische Karriere, schuf abstrakte Bilder, die in mehreren Ausstellungen gezeigt wurden. 1995 zog sich Koller ganz aus der Musik zurück, seit 1996 trägt ein hochdotierter österreichischer Jazzpreis, der 2002 um die Kategorie European Jazz Price erweitert wurde, seinen Namen.

Hans Koller war einer der wichtigsten europäischen Saxophonisten der Nachkriegszeit. Er zeigte vor allem den deutschen Musikern in den 1950er Jahren, dass Jazzmachen sich nicht im Epigonentum erschöpfen musste, sondern dass durchaus eigene Konzepte gefragt waren. Die Koller-Besetzungen der 1950er Jahren waren dem Vorbild eines Cool Jazz in der Tradition Stan Getz' und Zoot Sims' (im Sound) bzw. Lennie Tristanos und Lee Konitz' (im melodischen Konzept) verbunden. Deren Ansatz einer linearen Polyphonie des Jazz folgte bei Koller in den 1960er Jahren die Auseinandersetzung mit kompositorischen Möglichkeiten und bald auch jene einer improvisatorisch freien Umsetzung, wie er sie in seinen Free Sound-Besetzungen der 1970er Jahre dokumentierte.

Seine musikalische Entwicklung ist also durchaus eine konstante, in der die Linearität des Solos nur eine Seite der Komplexität der Kollektivimprovisation darstellt. In den 1980er Jahren konzentrierte sich Koller wieder stärker auf das Saxophon, arbeitete mit seinem Saxophon-Ensemble daran, die Vielfältigkeit des Instrumentalsounds herauszustellen, griff dabei selbst oft zur Sopranversion seines Instruments.

Kollers Bedeutung wurde auch im Ausland erkannt, wo Kritiker den Jazz in Deutschland schon mal mit der Schlagzeile "Jazz in Koller-Land" beschrieben. Mit Hans Koller verstarb einer der bedeutendsten europäischen Saxophonisten. (Wolfram Knauer vom Jazz-Institut Darmstadt - www.jazzinstitut.de)

BANDS:
European All Stars
Free Sound Ensemble (1975)
Zo-Ko-So (1965)
Orchester des SWF Baden-Baden (1957-1958
Hans Koller Quartett (1947)
Freddie Brocksieper
Horst Winter

2003-12-21

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