The Antonio Carlos Jobim Project
Brasil-Jazz der Extraklasse

Schön, dass es auch so etwas gibt: Der internationale Flughafen von Rio de Janeiro ist nicht nach einem verstorbenen Kriegshelden oder Präsidenten, sondern nach dem größten Musiker der Stadt benannt. Airport Tom Jobim heißt das Eingangs-Tor zu Zuckerhut und Corcovado, zu den Stränden von Copacabana und Ipanema.

Helio AlvesUnvergessen sind die ewigen Hymnen des Bossa-Nova-Vaters, der einst mit Joâo Gilberto melancholisch den überirdisch schönen Frauen nachschmachtete und ihnen nicht nur in der heimlichen Nationalhymne als Garota de Ipanema / Girl From Ipanema huldigte. Melancholische, sparsam instrumentierte Klassiker wie Chega de saudade, Este seu olhar und viele mehr verzauberten die ganze Welt.

Besonders früh bemerkte man die weichen Klänge mit den samtenen Gesängen in New York. So zählen etwa die Aufnahmen des brasilianisch-amerikanischen Duos Getz-Gilberto zu den wichtigsten Interpretationen der Jazzgeschichte. Und auch wenn auf den Boom schnell wie eh und je der Ausverkauf folgte, trieb gerade in New York eine Avantgarde- / Underground-Szene konstant die Vermengung von brasilianischen und amerikanischen Sounds voran.

Vor diesem Hintergrund fand in der Metropole am Hudson River das Antonio Carlos Jobim Project, das auch in der Hamburger Fabrik gastierte, zueinander. Die drei Brasilianer Helio Alves (piano), Nilson Matta (bass), Duduka Fonseca (drums, percussion) und der Deutsche Hendrik Meurkens (vibes, harmonica) widmen sich dem Nationalheiligtum Jobim mit jazzbetonten Variationen. Alle Vier glänzen in ihrem Lebenslauf mit großen Taten und Kollaborationen, aber auch als beeindruckende Solisten.

Ein wenig Name-Dropping muss an dieser Stelle erlaubt sein. So spielte Nilson Matta in Brasilien schon mit Joâo Gilberto, Chico Buarque und Hermeto Pascual, in New York mit Joe Henderson, Paquito D'Rivera, Danilo Perez, Randy Brecker, Dori Caymmi, um nur einige zu nennen. Duduka stand mit Tom Jobim, Astrud Gilberto, John Scofield und Wayne Shorter auf der Bühne. Helio Alves arbeitete mit Paquito D'Rivera und Airto Moreira und Hendrik Meurkens schließlich glänzte auf CDs mit Astrud Gilberto, Herbie Mann, Charlie Byrd und Ivan Lins. Auch seine eigenen Alben landen regelmäßig in den Top Ten der US-Jazz-Charts.

Indizien für einen herausragenden Konzertabend liefert zudem die bislang einzige CD-Veröffentlichung des Quartetts. Encontros / Meetings entstanden unter der Federführung von Nilson Matta und Hendrik Meurkens, hält die omnipräsente Liebe zur Bossa Nova zusammen. Neben zwei Jobim-Songs und einem Stück von Hermeto Pascual bestechen auch jeweils vier Eigenkompositionen von Nilson Matta und Hendrik Meurkens. The Antonio Carlos Jobim Project zelebriert Brasil-Jazz der Extra-Klasse.

BESETZUNG:
Helio Alves (piano), Nilson Matta (bass), Duduka Fonseca (drums, percussion), Hendrik Meurkens (vibes, harmonica)

2002-01-13

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