Webb, Chick (1907-1939) - Teil 6 - Das vielseitigste Neger-Orchester
drums, composer, leader

Nach Ellington, der eine Sonderstellung im Jazz allgemein und unter den Big Bands im Besonderen einnimmt, leitete Webb das vielseitigste Neger-Orchester dieser von den großen Besetzungen geprägten Jazzepoche. Edgar Sampson schrieb viele der sehr kultivierten und geschmackvollen Arrangements.

Und das ist das Auffallende: Diese heiße Harlemband stand den weißen Bands an Präzision, geschliffener Satzarbeit, sauberer Intonation um nichts nach. Das Webb Orchester bewies, dass man unter einer schwarzen Harlemband nicht grundsätzlich eine wilde, lautstarke Showkapelle zu verstehen hat, von denen in den 40-er Jahren nur allzuviele gab.

Natürlich waren die Arrangements, die das Webb Orchester etwa über "One O'Clock Jump", "Big John Special", und "Grans Terrace Rhythm" spielte, so schwarz wie die der Basie, Henderson oder Hines Band. Aber Stücke wie "Blue Room", "Liza", "Dinah", "Imagination" oder "My Wild Irish Rose" spielte die Band so "weiß" wie es z.B. die Casa Loma Band tat. Diese Tatsache stimmt genau mit dem Bild überein, das man sich von der gesamten Swing-Ära machen muss: Die Musik war ihrem Charakter nach mehr weiß als schwarz, wenn man unter schwarz die afrikanischen Quellen versteht.

In der Jazzgeschichte gab es niemals so viele hervorragende Starsolisten in weiß-spielenden Bands, wie in der Swing-Ära. Nicht nur die Band von Chick Webb ist ein Beispiel dafür, sondern auch die von Willie Bryant, Claude Hopkins und Noble Sissle, die für viele andere stehen mögen.

Auch Ella Fitzgerald ist keine Ausnahme: 1934 von Benny Carter entdeckt, war sie als Starsängerin bei Chick Webb damals durchaus der Typ der mädchenhaften Swing- und Sweet-Sängerin, wie etwa Helen Ward bei Benny Goodman. 1939 starb Chick Webb, der King des Savoy und des Swing schlechthin, im Alter von erst 32 Jahren. Ella leitete das Orchester noch kurze Zeit weiter. (Copyright Rudolf Hopf )

2001-01-01

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