Webb, Chick (1907-1939) - Teil 2 - Unfreiwillige Karriere
drums, composer, leader

Doch Dowell hatte auf die Dauer nicht den gewünschten Erfolg: Er musste sein Orchester auflösen. Die Musiker standen im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße und Chick Webb wurde zu ihrem Mittelpunkt. Keiner erfand so tolle Geschichten wie er. Mit einer Ausnahme: Duke Ellington.

Man konnte sich keinen größeren Gegensatz denken als den zwischen dem eleganten Duke mit seiner obligatorischen Aktentasche und dem kleinen verwachsenen Chick, der unsichtbar im Kreis seiner Kollegen seine Stories zum besten gab. Ellington fühlte sich indessen stark zu Webb hingezogen und hatte sein Talent als Schlagzeuger längst erkannt.

So war es kein Wunder, dass er ein Engagement, das er vom Black Bottom Club bekam, während er mit seiner Band noch im Kentucky Club spielte, an Webb weitergab. Der war indessen nicht begeistert: Er wollte trommeln und nicht die Verantwortung eines Bandleaders auf sich nehmen. Doch seine Kollegen Bobby Stark, Johnny Hodges, Don Kirkpatrick und natürlich John Truehart aus der Edgar Dowell Band bedrängten ihn.

"Wir waren völlig abgebrannt", erinnert sich Johnny Hodges, "und es gab für uns nur eines: entweder Chick nahm das Angebot als Bandleader an, oder wir mussten uns von ihm trennen." Webb gab schließlich klein bei und begann somit unfreiwillig seine Karriere als Orchesterleiter; das war 1926. Und wieder war es Ellington, der fünf Monate später für Webb das nächste Engagement besorgte. Das war im Paddock Club auf der 50. Straße.

Die Webb Band klang gut und erregte Aufsehen. Fletcher Henderson hörte davon, besuchte den Club und war von der Musik begeistert. "Sagt mal, wer schreibt denn für Euch?", war daher seine erste Frage. Schließlich hätte er die Arrangemeints gerne auch für seine eigene Band übernommen. Die Webb-Musiker schauten sich an und lachten: "Wir haben die Noten hier oben" - dabei zeigten sie mit dem Finger an den Kopf. Tatsächlich spielten sie ausschließlich Head-Arrangements und Henderson zog enttäuscht ab.

Inzwischen hatte sich Webb an seine Rolle als Bandleader gewöhnt und den Posaunisten Jimmy Harrison, einen der Besten jener Zeit, und den Multiinstrumentalisten Benny Carter in sein Orchester geholt. Die Musik, die die Band machte, wurde immer mitreissender, ihre Anziehungskraft immer größer. Dieser Erfolg entsprang vor allem dem enormen Temperament und den überragenden technischen Fähigkeiten von Chick Webb, der die Band förmlich vor sich her trommelte. (Copyright Rudolf Hopf )

2001-01-01

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