Redman, Don (1900-1964) von Rudolph Hopf
trumpet, alto saxophone, clarinet, vocals

Zu den Musikern des Jazz, die einst eine wichtige Rolle spielten, von denen aber heute kaum mehr die Rede ist, gehört nicht zuletzt Don Redman. Als Sohn eines Musikerehepaares hatte er schon in jüngsten Jahren begonnen, Instrumente spielen zu lernen, die Trompete zuerst und später fast alle, die in den üblichen Bands gebräuchlich sind. Aber auch die Musiktheorie fand schnell sein Interesse und nach intensivem privatem Unterricht absolvierte er ein akademisches Musikstudium auf den Konservatorien in Boston und Detroit.

Don RedmanDerart geschult kam Redman zu Beginn der 20-er Jahre mit Fletcher Henderson in Kontakt, der sich diesen talentierten jungen Musiker sofort für sein Orchester sicherte. Obwohl Redman als Altsaxophonist auch zu den dominierenden Solisten der Band zählte, war diese Tätigkeit doch nicht so gravierend. Es mag mit dem Zwiespalt zusammenhängen, in den der akademisch gebildete Neger zwangsläufig gelangte, dass sich Redman als aktiver Musiker bezüglich der spontanen Improvisation emotionell zurückhielt und Chorusse blies, die oft so sweet klangen, wie die bei Paul Whiteman, Paul Ash oder Ted Lewis.

In Bezug auf seine Arrangements wirkte sich Redmans Studium aber recht positiv aus. Ihm eröffneten sich bisher im Jazz ungenutzte kompositorische Möglichkeiten, die er glänzend mit den Elementen des Jazz zu verbinden wusste. Schon im technischen Aufbau ging er bei Plattensitzungen Wege, die im Jazz noch völlig unüblich waren. So teilte er das Orchester in Gruppen auf, die er hier mit Echoeffekt, dort in kontrapunktischem Einsatz gegen und miteinander verzahnte, wobei dann auch die Soli nie zum Selbstzweck wurden, sondern stets der thematischen Gesamtidee dienten. So gelang es ihm, das Klangbild der Band immer wieder zu verändern und zu einem Sound zu führen, den sonst kein derartiges Orchester aufzuweisen hatte.

Besonders überraschend aber ist der moderne Charakter, der vielen Orchesterbearbeitungen und Kompositionen Don Redmans anhaftet. Und selbst die Solisten spielten für die damalige Zeit erstaunlich fortschrittlich - ein Henry Red Allen beispielsweise bot hier und da Chorusse, wie man sie dann erst Jahrzehnte später wieder hören konnte. Freilich war auch vieles von dem, was die Solisten zu spielen hatten, von Redman konzipiert und kam nicht so spontan modern, wie man vielleicht glauben könnte. Populär waren die ambitionierten Beiträge Redmans verständlicherweise sowenig wie alles ungewohnt Neue, das dem großen Publikum zunächst schwer ins Ohr geht; die Kollegen, jedoch wussten zu schätzen, was Redman an Musik bot. Die Arrangements, die er 1923 bis 1927 während seiner Zugehörigkeit zum Henderson Orchester beisteuerte, hatten schon damals vielfach besonderes klangliches Gepräge und fielen auf.

1927 folgte Don Redman einem Ruf des Schlagzeugers und Managers William McKinney und trat in Detroit als Altsaxophonist und musikalischer Leiter in die unter dem Namen Cotton Pickers tätige Big Band ein, die McKinney zu Beginn der 20-er Jahre - damals hieß sie noch Synco Jazz Band - gegründet hatte. Das Orchester erhielt durch Redman schnell ein eigenes Gepräge und könnte fast als eine Redman Band angesprochen werden.

1931 stellte er dann wirklich eine eigene Big Band auf, die in Bezug auf Arrangements, das Zusammenspiel und die moderne Auffassung wegweisend werden sollte. Redman löste sich vor allem von den alten Klischees der New Orleans Bands, die bis dato eben den Unterschied zwischen der verfeinerten Tanzmusik der Weißen und der Hot-Spielpraxis der Jazzmusiker ausmachten. Don Redman zeigte erstmals, dass eine Musik ihren typischen Jazz-Charakter behalten kann, auch wenn sie mit Präzision und moderner Auffassung einstudiert wird. Er wies den Weg zur Weiterentwicklung des Big Band Jazz, indem er das Instrumentarium veränderte, die musikalische Durchführung verfeinerte und moderne Ideen der Arrangierkunst zum Tragen brachte, wie es sonst von weißen Musikern versucht worden war.

Was Redman allen anderen Experimentatoren voraushatte, das war sein Talent, die Ursprünglichkeit des Musizierens nicht zu stören. Seine Musik blieb stets Jazz. Wenn beispielsweise die weiße Casa Loma Band mit ihrem genialen Arrangeteur Gene Gifford nach höchster Präzision strebte und zukunftsweisenden Impressionismus lehrte, so mündete das schließlich in einen reinen Dressurakt. Wenn Redman sein Orchester einstudierte, so blieb stets Unbekümmertheit und Naivität im Spiel. Freilich war es dann wiederum diese Naivität, die in Verbindung mit der Tendenz zum 'weißen Geschmack' die Blüten des Sweet-Gesanges treiben ließ. Doch wird das verständlich, wenn man weiß, daß es vielen Negern darum ging, den Eindruck eines 'Gentleman' zu machen. Hier drängt sich der Vergleich zu Jelly Roll Morton auf, der auch wegen dieses Wesenszuges in einen Zwiespalt kam, der ihm oft im Wege stand, wenn es um die Würdigung seiner musikalischen Leistung ging.

Bliebe noch hinzuzufügen, dass Redman selbst auch als Sänger auftrat, und sich dabei an einen Sprechgesang hielt, der ein seltsames Zwischending zwischen Hot- und Sweet-Vocal darstellte und nicht seinesgleichen hatte.

Nachdem Redman seine Band 1940 aufgelöst hatte, konzentrierte er sich ganz auf das Komponieren und Arrangieren, er arbeitete für Shows, Rundfunk und verschiedene Bands. Der Verdienst lag freilich eindeutig auf kommerziellern Sektor und Redman fand hier eine gute Existenz. Die Bands, die er zeitweilig für Gastspiele (z.B. 1946/47 für eine Europatournee) oder sonstige Aufgaben aufstellte (er leitete auch eine zeitlang die Band von Pearl Bailey, für die er seit 1951 arrangierte), folgten spürbar dem Pop-Trend. So verblasste sein Name auf dem Jazzgebiet und die jungen Jazzfreunde in Europa erinnerten sich kaum mehr an diesen bedeutenden Big Band-Arrangeur und Leiter, als er hier Gastspiele gab.

Mit Redmans Tod am 30. November 1964 in New York endete die Laufbahn eines äußerst talentierten Musikers und Komponisten, eine Laufbahn, die ihren Höhepunkt bereits in den 20-er Jahren erreichte, als die Entwicklung der Big Band im Jazz wesentliche Impulse von Don Redman erhielt. Redmans Plattenaufnahmen aber sind heute Kostbarkeiten, die der Kenner hoch zu schätzen weiß, zumal sie später nur in kleiner Dosieruung wiederveröffentlicht wurden. Sie bilden das einzige Dokument seiner wegweisenden künstlerischen Tätigkeit und sie enthalten alles, was man sich als Big-Band-Freund wünschen kann: Swing, interessante Arrangements, Präzision und einen unverkennbaren Sound. (Copyright Rudolph Hopf )

2001-01-01

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